Der Kirchentag 2017 Berlin-Wittenberg

Am Mittwochmorgen, dem 24.05. um 6 Uhr machte sich unsere Gruppe von 12 Leuten auf den Weg nach Berlin zum 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag vom 24. bis 28. Mai 2017.

Auf der Fähre herrschte ausgelassene Stimmung, wenn auch die Müdigkeit den einen oder anderen noch einholte. Doch schon im Reisebus waren alle voller Vorfreude auf Berlin, während man das Kirchentags-Programm mit seinen 2500 Veranstaltungen durchstöberte.

Der Kirchentag 2017 war ein besonderer, denn im Jahr der 500-jährigen Reformation wurde in der Lutherstadt Wittenberg der Abschlussgottesdienst gefeiert.

Nach sieben Stunden Busfahrt erreichten wir unser Quartier in der Lützowstraße in Berlin-Mitte. Ein Gruppenraum mit eigener Küche und Badezimmer des Jugendkulturzentrums „Pumpe“ war nun für die nächsten vier Nächte unsere schlichte Unterkunft. Die Lage des Quartiers war ideal. Nur 15 Geh-Minuten entfernt befanden sich das Brandenburger Tor und der Reichstag.

Nach kurzer Besprechung konnte der Kirchentag für uns beginnen.

 

Der erste Tag steht traditionell unter dem Motto „Abend der Begegnung“. Im Anschluss der verschiedenen Eröffnungsgottesdienste fand ein großes Straßenfest mitten in Berlin statt.

Ganz im Zeichen der diesjährigen Kirchentags-Losung „Du siehst mich“ (1.Mose 16,13) lud das Straßenfest alle mit kulinarischen Spezialitäten aus der Region Berlin-Brandenburg, Musik zum Kennenlernen und einem kommunikativen Mitmachspiel ein. Ein Highlight war das Konzert von Max Giesinger. Abgerundet wurde der erste Tag mit dem Abendsegen um 22.30 Uhr. Mit Gebet, Gesang und einem stimmungsvollen Lichtermeer vor dem Brandenburger Tor endete für uns der „Abend der Begegnung“.

 

Der Kirchentags-Donnerstag war der Tag an dem der Ex-US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeinsam vor dem Brandenburger Tor über das Thema „Engagiert Demokratie gestalten“ diskutierten. Wer einen guten Platz für diese Vormittags-Veranstaltung haben wollte, musste früh aufstehen, und so war die Straße des 17. Juni vor dem Brandenburger Tor um 11 Uhr mit 70 000 Menschen beachtlich gefüllt. Wer diesen Menschenmassen aus dem Weg gehen wollte, wählte eine der vielen weiteren zahlreichen Veranstaltungen, z.B. die Bibelarbeit mit Eddy von den „Wise Guys“, und vergnügte sich anschließend im Zentrum Jugend mit seinen Sport- und Freizeitangeboten. Der Kirchentag kann eben ernst und heiter zugleich sein.

Am Abend stand das letzte große „Wise-Guys“ Konzert auf dem Programm. Die A-Capella-Band tritt schon seit vielen Jahren beim Kirchentag auf. In diesem Jahr findet ihre Abschlusstour statt.

 

Am Freitag, dem 26. Mai präsentierte die Kirchengemeinde St. Nicolai das Gemeindefrühstück auf dem Markt der Möglichkeiten. Beim Kirchentag ist der Markt der Möglichkeiten eine Art Messe auf der, nach Themenbereichen sortiert, dem Kirchentagsbesucher neue Anregungen und Informationen gegeben werden. Beim diesjährigen Kirchentag befand sich der Markt der Möglichkeiten in der Messe Berlin, wo auch zahlreiche Vorträge und Podiumsdiskussionen stattfanden. So konnte man dem Vortrag von Dr. Eckart von Hirschhausen über den Zusammenhang zwischen Humor, Glaube und Heilung oder einer Diskussion über die kommende deutsche Außenpolitik mit Bundesaußenminister Sigmar Gabriel zuhören.

Am Abend des Kirchentags-Freitag finden immer viele verschiedene Feierabendmahle statt.

So wurde in den Berliner Kirchengemeinden Abendmahl gefeiert. Die Föhrer trafen sich dabei beim Feierabendmahl an der Kapelle der Versöhnung, der Gedenkstätte der Berliner Mauer, in der Bernauer Straße. Das Abendmahl am Ende des Gottesdienstes sollte in geselliger kleiner Runde stattfinden. So begegneten wir anderen Kirchentagsbesuchern, kamen ins Gespräch und ließen den Tag bei Gruppenspielen mit einer Jugendgruppe aus München unterhaltsam ausklingen.

 

 

 

Den Samstag, 27. Mai, begannen wir mit einer Bibelarbeit mit Frère Alouis aus Taizé im Tempodrom, Zentrum Jugend in Berlin-Mitte. Beim Kirchentag finden jeden Vormittag viele verschiedene Bibelarbeiten statt. Die entsprechenden Bibelverse werden dabei nicht nur von Theologen ausgelegt, sondern auch von Personen des öffentlichen Lebens z.B. Politikern.

Nach der Bibelarbeit lud das Hilfswerk „Brot für die Welt“ an seinem Aktionsstand im Zentrum Jugend zum Malen ein. Dabei sollte während des Kirchentages ein Großgemälde gemeinsam gestaltet werden.  Am letzten Tag vor dem großen Abschlussgottesdienst konnten wir dann noch die Feinabstimmung des Gemäldes vornehmen. Das Großgemälde wird nun zu Veranstaltungen von „Brot für die Welt“ mitgenommen.

Den Mittag verbrachten wir in einer syrisch-orthodoxen Kirche, einer der vielen Migrationskirchen in Berlin. Bei typisch syrischem Mittagessen, das von den Gemeindemitgliedern auch für mehr als 200 Gäste liebevoll vorbereitet war, zeigte uns der Priester die Kirche, besondere syrisch-orthodoxe Traditionen und erzählte von der Flucht aus Syrien.

Im Zentrum Jugend wurde dann der Nachmittag verbracht. Wir besuchten Stände und Mitmachaktionen, wie z.B. ein Rätselspiel der Bundesfreiwilligendienste. Dabei begegneten wir auch Polizisten, die dazu beauftragt waren, das Kirchentagsgelände abzusichern. Bei diesem Kirchentag war die Zahl der Sicherheitskräfte so hoch wie nie zuvor. Man musste mit Taschenkontrollen bei den Hauptveranstaltungen rechnen. Auch im Zentrum Jugend, etwas abseits des Brandenburger Tors, waren viele Polizisten. Da der Kirchentag eine friedliche Veranstaltung ist, hatten die Sicherheitskräfte nicht viel zu tun und so blieb auch für sie Zeit, um mit viel Spaß an den Aktionen teilzunehmen!

Der letzte Kirchentags-Abend fand für uns vor dem Brandenburger Tor statt. Hier ließ man den Kirchentag mit Musik und Gesprächen ausklingen. Mit dem allabendlichen Abendsegen wurden die Kirchentagsbesucher mit einem Kerzenmeer und Gesang nach Wittenberg zum Abschlussgottesdienst des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentages geschickt.

 

Am letzten Tag, dem Sonntag, mussten wir früh aufstehen, um noch pünktlich mit dem Reisebus zum Gottesdienst nach Wittenberg zu kommen. Da viele Menschen nach Wittenberg wollten, saßen wir noch eine Zeit im Stau auf der Autobahn. So konnten wir noch unsere verlorenen Schlafstunden nachholen...

Der Abschlussgottesdienst des Kirchentages sollte auf den Elbwiesen zu Wittenberg stattfinden. Da man mit Tausenden Besuchern rechnete, mussten die Reisebusse und PKWs ausgelagert auf einer Feldwiese geparkt werden, knapp 20 Autominuten vom Festgelände entfernt. Shuttle-Busse beförderten uns, die Besucher, dann zu den Elbwiesen. Die Zufahrten nach Wittenberg wurden von der Polizei gesperrt und so war es kurz vor Wittenberg außergewöhnlich ruhig. Durch die Totalsperrung wurden die Besucher über Bundesstraßen-Auffahrten zum Gottesdienst-Gelände geleitet. Es erinnerte einen an die autofreien Sonntage der 1970er Jahre. Wie eine Ameisenstraße zogen die Menschen friedlich und geordnet zum Abschlussgottesdienst. Das Wetter war ausgesprochen gut. Die vielen freiwilligen Kirchentags-Helfer versorgten die Besucher mit ausreichend Wasser.

Um 12 Uhr begann der Festgottesdienst „Von Angesicht zu Angesicht“ mit 120 000 Besuchern und 6000 Bläsern. Die Predigt hielt der Erzbischof von Kapstadt Thabo Makgoba aus Südafrika  und rief vor allem die Jugendlichen dazu auf, sich zu engagieren. Gleichzeitig wünsche er sich eine Welt, in der alle Menschen Zugang zu Bildung, Wasser, Gesundheitsversorgung und wirtschaftlichen Chancen haben.

Mit dem Abschlussgottesdienst in Wittenberg wurde der diesjährige Kirchentag beendet und der Reformationssommer 2017 eingeleitet. Wir verließen das Festgelände und machten uns auf den Weg nach Nordfriesland. Die letzte Fähre nach Föhr war nicht mehr erreichbar, doch glücklicherweise konnten wir in der Kirche in Dagebüll übernachten – ein Kirchenasyl der besonderen Art.

Die vielen Erlebnisse und außergewöhnlichen Momente nehmen wir mit nach Hause und freuen uns schon auf den 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag 2019 in Dortmund !

(Für die Gruppe schrieb Nils Winterhalter)