Abschied

Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Diese Worte stehen in dem Gedicht des Pfarrerssohnes Hermann Hesse „Stufen“. Er beschreibt damit die Stadien des Lebens von Werden, Wachsen und Vergehen.
Auch für mich und meine Frau Susanne ist nun die Zeit gekommen, nach 25 schönen, spannenden und erfüllten Jahren Abschied zu nehmen. Abschied von der Insel, der Kirchengemeinde und den Menschen, mit denen wir intensive und kostbare Zeit geteilt haben. Wenn man es genau nimmt, kommt noch das Jahr dazu, in dem ich im Kirchenkreis während der Fusion als Propst gearbeitet habe.
Natürlich gab es Fragen an uns, ein bunter Strauß an Reaktionen: lebhafte Anteilnahme, Traurigkeit, Verständnis und Kopfschütteln: Wie könnt ihr nach all den Jahren diesen gemeinsamen Rahmen, der so gut getragen und gepasst hat, jetzt einfach hinter euch lassen?

Die Antwort ist nicht einfach. Es ist schwierig, es auf einen Punkt zu bringen: In den letzten Monaten ist der Impuls gewachsen, die sicheren Strukturen, die eingespielten Abläufe, die verlässlichen Pfade noch einmal einzutauschen gegen einen Aufbruch in eine neue und unbekannte Zukunft.
Vor uns liegen die letzten Berufsjahre. Ich bin in den letzten Jahren auf manchen Wegen gepilgert und gewandert. Da gab es die Erfahrung, dass man oft viel weniger braucht als man denkt und vor allem als man mitgeschleppt hat. Dieses Gepäck, dieser innere und äußere Ballast, diese gefühlten Rettungsringe sind in den 25 Jahren in der Gemeinde gewachsen und haben sich verfestigt.
Gleichzeitig ist das Pfarrhaus und der Garten in Boldixum immer größer geworden - oder der gelebte Rahmen durch unsere Familie immer kleiner. Der Anzug passte nicht mehr, wurde zu groß. Ein Wink, den Anker zu lichten.
Wir lassen so viel zurück: Menschen, die uns ans Herz gewachsen sind, Arbeit, die erfüllend war, eine wunderschöne Kirche, eine lebendige Gemeinde, ein Netz von Beziehungen in Schule und Kirche, Vereinen und Verbänden. Das alles werden wir sehr vermissen. Es war die Melodie, der Kontrapunkt und der Takt unseres Lebens.
Und doch scheint uns jetzt der Zeitpunkt gekommen, der richtige Moment. In der Sprache des Glaubens nennt man es den Kairos. Zu dem innerlich gehörten Ruf gesellt sich der äußere Rahmen: Die Pfarrstelle wird nun wieder besetzt werden, der große Pfarrgarten wartet auf neue tatkräftige Hände und behende Füße, die Kirchengremien werden sich mit den Wahlen im Dezember verjüngen und neu orientieren. Da ist es gut, wenn auch im pastoralen Bereich nach fast einer Generation eine Erneuerung stattfindet, unverbrauchte Ideen und frische Energien den Weg in die Zukunft lenken.

Wir werden in Gedanken nicht so weit weg sein und bleiben im Herzen und im Gebet mit euch verbunden.
Auf mich wartet eine neue Aufgabe in der Deutschen St. Gertruds Gemeinde in Stockholm. Stockholm liegt auf 14 Inseln, und auf einer davon wohnen dann auch wir. Nicht mehr mit Pfarrhaus und Garten, sondern in einer Wohnung in der zweiten Etage in der Altstadt direkt neben der Kirche. Vielleicht hat der eine oder die andere einmal Lust, uns zu besuchen. Darüber würden wir uns freuen.
Nun sind wir am Aussortieren und Aufräumen, was sich in 26 Jahren auf Dachboden und in Schränken so angesammelt hat. Nicht alles können wir mitnehmen, und das ist auch gut so.

Der letzte Gottesdienst wird dann am 24. Juli um 14 Uhr in der St. Nicolai-Kirche sein. Dort wird Propst Dr. Bronk mich von meinem Amt entpflichten, das heißt, die Rechte und die Pflichten eines Pastors in dieser Gemeinde von mir nehmen.
Diesen Schritt würden wir gerne mit euch gemeinsam gehen, danke sagen und Abschied nehmen - und anschließend nach dem Gottesdienst um 15.30 im Garten des Pastorates in Boldixum mit euch den Tag ausklingen lassen.
Eine wirkliche Bitte: Wir möchten keine Geschenke, können sie auch nicht mitnehmen, aber wir würden uns über eine Gabe zum (Kuchen)Büffet im Pastoratsgarten freuen. Platten oder Schüsseln könnten dann später bei Horst Jensen im Gemeindehaus abgeholt werden.

Bis dahin wünschen wir helle Sommertage und warme Sonnenstrahlen und sagen dann: A Dieu – Gott befohlen!


Susanne und Jörg Weißbach

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