Das Weihnachtskonzert 2011 der Kantorei St. Nicolai. Auf dem Programm stehen neben 4 bis 8 stimmigen Chorwerken acapella auch Stücke für Trompete/Orgel und Orgel. Sie können sich das Programm hier herunterladen (klicken Sie einfach das Bild an...).
Artikel im Insel-Bote vom 04.01.2012 / psz
Die „Missa Tertia“ für Chor und Soli von Hans Leo Hassler und Johann Sebastian Bachs Motette „Sei Lob und Preis mit Ehren“ standen im Mittelpunkt des diesjährigen Weihnachtskonzertes, das die Kantorei der voll besetzten St.-Nicolai-Kirche gemeinsam mit dem Hamburger Rungholt-Ensemble bestritt. Ebenfalls aus der Hansestadt dabei: Der Kirchenmusikdirektor Thomas Dahl an der Orgel sowie Christoph Semler an der Trompete.
Breit und schön ausgesungen erklang die aus sechs, vom Text her unterschiedlich interpretierten Sätzen bestehende „Missa Tertia“; mit den rhythmisch entfalteten und teilweise markanten Gloria und Credo. Auf hohem Niveau wurde die schwierige Musik der Spätrenaissance interpretiert, ein 15 Minuten dauerndes Werk, dessen Besetzung mit Solistinnen in Credo und Benedictus sehr abwechslungsreich daher kam.
Zu den großen und anspruchsvollen Motetten Bachs gehört ohne Zweifel „Sei Lob und Preis mit Ehren“. „So schwer“, befand Kantor Martin Bruchwitz, dem auch an diesem Abend die Gesamtleitung oblag, „dass die Kantorei über sich hinauswachsen musste“. Und das tat sie und meisterte die technischen Schwierigkeiten mit Bravour. Zudem gaben das Orgel-Continuo, gespielt von Thomas Dahl, und Christoph Semlers Trompete im Sopran hervorragende Unterstützung und brachten das Werk zu seiner vollen Entfaltung.
Die knapp 300 Besucher konnten sich in der Folge an weiteren Chorälen Bachs aus dem Weihnachtsoratorium erfreuen. Beweis für die Klasse des an diesem Abend 30 Mitglieder zählenden Chores waren überdies fünf- und achtstimmige Chorsätze von Andreas Hammerschmidt und Johann Eccard sowie Felix Mendelssohn Bartholdys „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ und „Jauchzet dem Herrn alle Welt“.
Großartig auch die beiden Instrumentalisten. So begeisterte Dahl bei der Interpretation der Bachschen D-Moll-Triosonate – immerhin gehören die sechs Triosonaten für Orgel mit ihren drei selbstständigen Stimmen zu den schwierigsten Werken des Komponisten. Als Könner seines Fachs präsentierte sich auch der Trompeter Semler, der barocke Virtuosität (Konzertsonate D-Dur, 1. Satz, von Georg Philipp Telemann) und romantisches Empfinden (Pastorale Opus 150 von Joseph Gabriel Rheinberger) bewies.
Ein wunderbares Konzert, dem in diesem Jahr weitere große Werke der Kirchenmusik folgen werden. Liebhaber dürfen sich schon jetzt auf Mozarts Krönungsmesse und das Weihnachtsoratorium des Romantikers Camille Saint-Saëns freuen.
psz